Die Mosel-Wanderfahrt von Zell nach Koblenz (3.9. – 7.9.)
Wir haben`s geschafft! 2019 befuhren wir die Mosel, nach ca. 50 km auf der Saar, von Konz bis Bullay. Weil`s so schön war, dann 2023 wieder von Trier bis Zell und heuer von Zell bis Koblenz. Wir trafen uns nach der Anreise am Donnerstagnachmittag am Bootshaus in Zell, um die vier Vierer aufzuriggern. Anschließend fuhren wir in die Quartiere in Löf und Kattenes, wo wir aufgrund der Größe der Gruppe teils im Hotel, teils in Ferienwohnungen bzw. in einem Winzerhof untergebracht wurden. Ein gemeinsames Abendessen im Hotel „Traube“ in Löf beendete den Tag.
Der Name Mosel leitet sich vom lateinischen „Mosella“ ab und bedeutet „kleine Maas“, ist doch die Mosel nach der Maas mit 544 km „nur“ der zweitlängste Nebenfluss des Rheins. Zwischen Trier und Koblenz fließt die Mosel - eingezwängt zwischen Hunsrück und Eifel – und bildet zahlreiche Mäander. An den Steilhängen wird seit der Römerzeit Wein angebaut in teils extremen Steillagen, von denen einige jedoch schon aufgegeben wurden. Nach dem Votum der Saarländer für die Zugehörigkeit zur Bundesrepublik forderte Frankreich als Ausgleich die Moselkanalisierung bis Metz, um die lothringischen Industriegebiete an das europäische Wasserstraßensystem anzubinden, 1964 wurde die Mosel dann als staugeregelte Großschifffahrtsstraße freigegeben.
Nach einer längeren Anfahrt am Freitagmorgen bestiegen wir die Boote in Zell. Bei anfangs kräftigem Schiebewind und strahlend blauem Himmel ruderten wir bis zur ersten Staustufe St. Adelgund. Sei es aufgrund von Wasserersparnis oder des Unwillens des Schleusenwärters mussten wir trotz Ulrikes mit niederbayerischem Charme unterlegtem Ersuchen um Schleusung die Sportbootschleuse benutzen, in der jeweils nur zwei Vierer Platz finden, was bei zweimaligem Schleusenvorgang zu zeitlicher Verzögerung führte. Gesäumt von Weinbergen, ansehnlichen Weinorten, weniger ansehnlichen Camping- und Wohnmobilstellplätzen passierten wir die Moselschleife bei Bremm, wo auf einer Halbinsel die eindrucksvolle Ruine der Stiftskirche eines ehemaligen Augustiner-Chorfrauen-Stifts liegt. Anlegemöglichkeiten sind an der Mosel rar, die erforderliche Trinkmenge korrespondierte daher nicht mit den sommerlichen Temperaturen. Vor der Staustufe Fankel, wo wir wieder die Sportbootschleuse benutzen mussten, passierten wir Beilstein, das „Dornröschen der Mosel“ mit der mittelalterlichen Höhenburg Metternich und der barocken Klosterkirche St. Joseph, wo die „Wunderbare Schwarze Madonna“, ein „Mitbringsel“ der Spanier im Dreißigjährigen Krieg auch heute noch zahlreiche Pilger anzieht. Leider hatten wir nach der Schleuse Fankel starken Gegenwind auf den letzten der insgesamt 37 km bis zum Steg der Cochemer Rudergesellschaft. Nach der Fahrt ins Quartier trafen sich die meisten, da kein gemeinsames Abendessen geplant war, im Bio-Weingut Leyendecker in Löf-Kattenes, wo der Wein und die Brotzeiten besonders denen, die sehr lange auf Labung hatten warten müssen, sehr mundeten. Der spätabendliche regnerische Rückweg nach Löf bot einen herrlichen Blick auf die beleuchtete Burg Thurant am anderen Ufer.
Am Samstag hatten wir nach der Fahrt nach Cochem eine Stunde Zeit, um der Stadt einen kurzen Besuch abzustatten. Die kleinste Kreisstadt Deutschlands wird überragt von der Reichsburg Cochem, - die 1130 zum ersten Mal erwähnt, im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört und vom Berliner Kaufmann Ravenè im 19. Jhdt. im neugotischen Stil wieder aufgebaut wurde,- und der Burgruine Winneburg aus dem 13. Jhdt.. Durch die sehenswerte Altstadt drängen sich ganzjährig Touristenmassen. Nach dem Ablegen ging es bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen weiter auf der Mosel; bei der Schleuse Müden konnten wir die Großschifffahrtsschleuse benutzen. Wir bewunderten wieder die steilen Weinhänge, deren natürliche Vegetation durch die sommerliche Hitze und Trockenheit sehr oft verdorrt war. In Hatzenport hatten wir am Morgen Gott sei Dank einen Steg zum Anlegen und Aussetzen gefunden, da es aufgrund der veralgten Brühe der Mosel galt, jeglichen direkten Wasserkontakt zu vermeiden. Während die Fahrzeuge in Cochem geholt wurden, konnten einige endlich in die Federweißer-Saison im idyllischen Innenhof des Weinhauses Ibald in Hatzenport starten. Abends gab es wieder ein gemeinsames Abendessen im Quartier in Löf.
Am Sonntag – bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen - bewältigten wir die letzten Kilometer bis zum Koblenzer Ruderclub Rhenania. Bei der Staustufe Lehmen wurde uns zwar in Aussicht gestellt, die Großschifffahrtsschleuse zu benutzen, aber dass dies erst nach der Schleusung eines Lastkahns erfolgen konnte, verschwiegen, so dass wir dabei fast eine Stunde Zeit verloren und ausgiebig die Weinhänge der ältesten Weinbaugemeinde an der Mosel bewundern konnten. Eindrucksvoll auch die Oberburg und Niederburg Kobern, eine Ruine, die sich 150 m über der Mosel erhebt. In 136 m Höhe überspannt die Autobahnbrücke der A61 den Fluss vor Winningen, wo auf den steilsten Weinhängen Deutschlands der auf den Schieferterrassen wachsende Riesling zu den angeblich besten Weinen der Welt zählt. Die letzten Kilometer vor Cochem waren schweißtreibend und aufgrund der zahlreichen Motorboote sehr wellig. Im Koblenzer Ruderclub „Rhenania“ landeten wir an, konnten die Boote reinigen und nach dem Eintreffen des Hängers und der in Hatzenport geparkten Fahrzeuge auf den Hänger verladen. Etwa 90 Ruderkilometer durch das liebliche, landschaftlich und kulturell beeindruckende Moseltal lagen hinter uns. Quartier bezogen wir in Koblenz am Stadtrand im Hotel „Zum Schwarzen Bären“, wo wir die Ruhe nach dem permanenten Verkehrslärm in Löf genossen. Mit dem Bus ging es ins Zentrum der drittgrößten Stadt von Rheinland-Pfalz. Claudia als Halbeinheimische hatte sich angeboten, uns einige Sehenswürdigkeiten zu zeigen und etwas über die Geschichte der über 2000 Jahre alten Stadt, deren Name sich von dem Römerkastell „Confluentes“ – die „Zusammenfließenden“ – herleitet. Die strategisch wichtige Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein bedingt eine wechselvolle Geschichte der Zugehörigkeit zu verschiedenen Herrschaftsgebieten. Am Schängelbrunnen, einem Wahrzeichen der Stadt im Rathaushof, machten wir einen ersten Halt: Als Schängel – vom franz. Jean – wurden die Lausbuben bezeichnet; die Skulptur, die ab und zu Wasser auf Passanten speit, symbolisiert die Lebensfreude der oftmals als Schängeler bezeichneten Stadtbewohner. Die Historiensäule im Brunnen auf dem Josef-Görres-Platz stellt in zehn Bildern von unten nach oben Epochen und Ereignisse der Stadt dar: Vom römischen Weinschiff zuunterst bis zum Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg stark zerstörten Stadt zuoberst. Nach einem Blick auf die Balduinbrücke, einer steinernen Bogenbrücke über die Mosel aus dem 14. Jhdt. wollten wir natürlich noch ans „Deutsche Eck“ mit dem Reiterstandbild Wilhelms I., um von dort die auf der gegenüberliegenden Rheinseite gelegene Festung Ehrenbreitstein zu bewundern. Ein dort stattfindendes Open-Air-Konzert einer deutschen Schlagersängerin verhinderte dies jedoch, sodass wir zur an der Landspitze zwischen Mosel und Rhein gelegenen Basilika St. Kastor mit ihrer beeindruckenden Doppelturmfassade weitergingen, wo uns Andy fachkundig Baugeschichte und Bedeutung des ältesten erhaltenen Kirchenbauwerks der Stadt erläuterte: Errichtet wurde es im 9. Jhdt. und dessen heutiges Erscheinungsbild entstand im 12. und 19. Jhdt.. Nach schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde die Kirche originalgetreu wieder aufgebaut, im Innern birgt sie u.a. wertvolle romanische Kunstwerke. Profane Müdigkeit und Hunger verhinderten den weiteren Besuch von Sehenswürdigkeiten und trieben uns zum gemeinsamen Abendessen zur „Wacht am Rhein“ an der Rheinuferpromenade.
Nach einem hervorragenden Frühstück im Hotel traten wir die Heimreise an. Gedankt sei natürlich den Fahrtenleitern Hans und Karin für die langwierige und nicht immer einfache Vorbereitung, den Fahrerinnen und Fahrern von Bus-/Bootswagen-/Begleitfahrzeugen vierrädriger und zweirädriger Art und allen anderen, die zum Gelingen dieser schönen Fahrt beigetragen haben. Nun haben wir also auch die Mosel geschafft.
Peter Thumann
Die dazugehörigen Fotos erscheinen in Kürze unter Fotogalerien.
